Rechtsanwalt in Vietnam Dr. Oliver Massmann INVESTITIONSRECHT WIRTSCHAFTSRECHT

AUSZUG AUS DR. OLIVER MASSMANNS INVESTITIONSRATGEBER FUER VIETNAM

TEIL 10/ - INVESTITIONSPOLITIK VON VIETNAM

Dieser Inhalt ist Teil der 16. Auflage des Investitionsratgebers fuer Vietnam von Dr. Oliver Massmann

© Dr. Oliver Massmann 2017

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Datum: Dezember 2017

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INVESTITIONSPOLITIK VON VIETNAM

Rechtliche Grundlagen: CIL und UEL

Bis zum 1. Juli 2015 hat das ,,Allgemeine Investitionsgesetz” (CIL), welches am 29. Dezember 2005 verabschiedet wurde und am 1. Juli 2006 zusammen mit den Ausfuehrungsregulierungen, genauer: die Ausfuehrungsdecrees No. 194/2013/ND-CP vom 21. Janaur 2013 und No. 118/2015/ND-CP vom 27. Dezember 2015, die rechtliche Basis fuer auslaendische Investitionen in Vietnam konstituiert.

Am 26. November 2014 hat die vietnamesische Nationalversammlung das neue Investitionsgesetz verabschiedet (Investitionsgesetz 2014), welches das CIL ab dem 1. Juli 2015 ersetzen wird.

Die möglichen Gesellschaftsformen und deren Gründungsvoraus­setzungen waren Gegenstand des vereinheitlichten Unternehmensrechts (Unified Enterprise Law, verabschiedet am 29. November 2005 – UEL), welches durch das neue Unternehmensgesetz (Unternehmensgesetz 2014) ersetzt wird. Die Nationalversammlung hat dieses am 26. November 2014 erlassen. Weitere Richtlinien bzgl. des Unternehmensgesetz  und des Investitionsgesetz sind noch in der Schwebe. Das hat zur Folge, dass die Vorschriften zum CIL und UEL und deren Implementierungsrichtlinien, nach wie vor Anwendung finden.

Das Circular 01/2013/TT-BKH, welches am 15. April 2013 in Kraft getreten ist und somit das Decree 43 implementiert hat, welches sich auf die Online-Registrierung bezieht, sieht vor, dass die elektronische Registrierungsbewerbung über das Portal geschehen kann. Es müssen alle Unterlagen in elektronischer Form eingereicht werden, welche auch bei der normalen Registrierung vorgelegt werden müssten. Dazu ist eine digitale Signatur von Nöten. Die Unterlagen müssen ausserdem noch in Papier-Form eingesendet werden, auch wenn die digitale Signatur enthalten ist. Dies ist im Unternehmensgesetz geregelt. Circular 1 verweist auf Decree 43, in welchem festgelegt worden ist, welche Art von Geschäften zulässig ist. Falls der gewünschte Tätigkeitsbereich nicht auf der Liste ist, dann muss dies mit den Behörden zunächst diskutiert werden, was unberechenbar lange dauern kann. Dieses Prozedere ist mit dem Unternehmensgesetz 2014 nicht mehr notwendig, die Eintragung einer spezifischen Codenummer bei der Beantragung des Unternehmensregistrierungszertifikats nicht mehr erforderlich. Außerdem wurde mit dem Unternehmensgesetz 2014, die Kombination zwischen dem Steuerzertifikat, dem sogenannten: ,,Enterprise registration certificate“ und der Unternehmenszertifizierung, aufgehoben.

1.6 CIL and UEL

Im Folgenden werden die wesentlichen Aspekte des CIL aufgeführt.

Das CIL

Unternehmen dürfen nunmehr in verschiedene Wirtschaftssektoren investieren, wobei Investitionen besonders im Bereich der Infrastrukturentwicklung stark unterstützt werden. Die Anzahl der möglichen Investitionssektoren steigt stetig. Nach dem WTO-Beitritt Vietnams, dürfte das Durchführungsdecree des CIL entsprechend angeglichen werden, welches die Sektoren auflistet, in denen uneingeschränkt, unter speziellen Bedingungen oder überhaupt nicht investiert werden darf.

Artikel 6 des Unternehmensgesetz 2014 verbietet nur noch sechs Geschäftszweige, anstatt  51: Drogenhandel, wie im Annex 1 zum Investment gesetzt aufgelistet, das Geschäft mit Chemikalien und gelisteten Mineralien, welche im Annex 2 zum Investmentgesetz aufgelistet sind, Handeltreiben mit Teilen von Wildtieren oder Pflanzen, die im Annex 1 zum Abkommen über den internationalen Handel von gefährdeten Arten, Teile von gefährdeten Tieren nach Kategorie 1 mit Ursprung wie in Annex 3 des Investmentgesetz 2014 benannt, Prostitution, der Handel mit Menschen, menschlichem Gewebe oder Körperteilen und jegliche Unternehmungen mit Beug auf das Klonen von Menschen. Die Anzahl der Unternehmungen, welche unter einer Bedingung stehen, hat sich von 386 auf 267 reduziert.

Artikel 5.1 des Investmentgesetzes 2014  hat zur Auflage, dass Investoren nur das Recht haben Investments und Geschäfte in den Sektoren zu tätigen, in denen es nach dem Investmentgesetz nicht verboten ist. Das ist eine neue Herangehensweise. Bis dato war es nur erlaubt in den Sektoren tätig zu sein, in denen es ausdrücklich erlaubt war. In der Praxis sah das folgendermaßen aus: wenn ein Investor in einen bestimmten Sektor investieren wollte, der nicht ausdrücklich Teil der Liste war, dann haben die Behoerden nach dem alten Recht, die Genehmigung verweigert, weil die Tätigkeit nicht ausdrücklich genehmigt war. Die neuen Regelungen schaffen für den Investor eine größere Transparenz und mehr Möglichkeiten.

Weiterhin wurde im neuen Investmentgesetz die Bezeichnung „ausländisch-angelegte Unternehmen“ (foreign-invested enterprises) mit  „wirtschaftliche Körperschaft mit ausländischem Kapital“ (economic entity with foreign owned capital) ersetzt. Diese wird  als Körperschaft definiert, die eine beliebige Anzahl an Mitgliedern oder Anteilseignern ausländischer Investoren haben kann.

Das Gesetz 61/2010/QH12, welches am 24. November 2010 in Kraft getreten ist und einige Artikel des Gesetzes 24/2000/QH2010 zu Handelsversicherungen erweitert hat und damit einhergehende Veränderungen spiegeln die Haltung der Regierung der letzten Jahre in Bezug auf die Anpassungen an die WTO Standards und die Veränderungen im Investitionsrecht wieder. Die Veränderungen gelten seit dem 1. Januar 2011. Es gibt eine erweiterte Rolle für ausländische Versicherer im vietnamesischen Versicherungsmarkt. Der grenzüberschreitende Versicherungshandel wurde bestätigt und ausländische Versicherer und Rückversicherer können nun auch rückversichern, ohne dass dazu eine Inlands Rückversicherung vorhanden sein muss.

Vorgeschrieben werden weder Minimal- noch Maximalbeträge von Investitionen oder der prozentuale Anteil von Auslandskapital. Eine 100%-ige Auslandsbeteiligung ist auch bei BOT Projekten zulaessig

Die Anzahl der Sektoren, die staatseigenen Betrieben vorbehalten sind, wurde reduziert.

Folgende „Garantien“ werden den ausländischen Investoren zugesichert:

·       Rechtmäßige Vermögenswerte von Auslandsinvestoren werden nach geltendem Verwaltungsrecht nicht beschlagnahmt oder enteignet; Unternehmen mit Auslandskapitalbeteiligungen werden nicht verstaatlicht; Ausnahmen bestehen nach Artikel 9 des Investitionsgesetzes, in Faellen der nationalen Sicherheit oder der nationalen Verteidigung.

·        Verschiedene Vermoegenswerte koennen ins Ausland transferriert werden. Unter ihnen sind: Investitionskapital, Durchfuehrung der Investitionsliquidierung, Handelsgewinne, Geld oder andere Vermoegenswerte, die rechtes Eigentum des Investors darstellen.

Die folgenden Investitionsvorteile sind verfuegbar:

o   Befreiung von Einfuhrsteuern auf importierte Ausrüstung, Rohmaterialien und

Bestandteile;

o   Befreiung und Ermäßigungen der Einkommensteuer; 

o   Möglichkeit der Übertragung von Geschäftsverlusten für einen Zeitraum von maximal 5 Jahren.

Alle Vergünstigungen für Auslandsinvestitionen müssen im Voraus mit dem MPI verhandelt werden und ausdrücklich in der Lizenz statuiert sein.

Grundstücke befinden sich in staatlichem Besitz, dennoch können ausländische Investoren unter der Voraussetzung, dass eine Grundstücksmiete zu entrichten ist, Landnutzungsrechte erwerben.

Grundsätzlich müssen ausländische Unternehmen selbst in der Lage sein, ihren Bedarf an ausländischen Währungen zu decken. Eine Ausnahme besteht jedoch für solche ausländische Unternehmen, die an Infrastrukturprojekten und BOT Projekten beteiligt sind. In diesem Fall wird die Staatsbank von Vietnam den Investoren die Genehmigung erteilen, während der ganzen Dauer des Projektes die vom Projekt erzielten VND in fremde Währung umzutauschen.

Ausländische Unternehmen und Privatpersonen können ihre Gewinne und Dividenden aus Wirtschaftstätigkeiten nach Zahlung von vietnamesischen Steuern, (inklusive Gewinn-Überweisungssteuer) ins Ausland überweisen.

Die Politik der Regierung ist darauf ausgerichtet, ausländische Technologien zu importieren. 

Bei Streitigkeiten zwischen der vietnamesischen Regierung und den ausländischen Investoren bezüglich der BOT Verträge können die Parteien selbst bestimmen, wer die Streitbeilegung tätigt, und wie diese ablaufen soll. Internationale Schiedsgerichtsbarkeit ist möglich. Ausländische Investoren, deren Projekte sich in Bergregionen oder in unerschlossenen Gebieten befinden, genießen derzeit noch zusätzliche Vorteile, wie zum Beispiel eine Gewinntransfersteuer (Profit Remittance Tax) zu dem günstigen Steuersatz von fünf Prozent (sonst 7 %).

Ausländisch finanzierte Unternehmen können auf Antrag den Betrieb ihres Unternehmens (vorübergehend) einstellen, wenn sie dies überzeugend begründen können. Finanzielle Verpflichtungen während der Dauer der Betriebseinstellung, können von den Behörden entweder ganz annulliert oder reduziert werden.

Es wird ein neues einheitliches Antragssverfahren für Investitionslizenzen für inländische und ausländische Projekte eingeführt.

Die vietnamesische Regierung gewaehrt Währungsumtauschgarantien für Projekte zum Aufbau von Infrastrukturen und für Projekte von bestimmter Bedeutung, unter der Voraussetzung, dass die Handelsbanken den Bedarf an fremden Währungen nicht befriedigen können.

Abschließend ist trotz der genannten Vorteile anzumerken, dass diese Vorgaben und Prinzipien nicht immer tatsächlich durchgeführt und im Einklang mit dem Wortlaut des Gesetzes umgesetzt werden. Es bestehen immer noch strenge Kontrollen in Bezug auf ausländische Währungen, sowie sonstige verwaltungsrechtliche Hindernisse. Im Hinblick auf Unternehmenssteuervergünstigungen, die für Investitionsprojekte in speziellen Wirtschaftszonen gewährt werden, wird darauf hingewiesen, dass diese nach dem WTO-Beitritt Vietnams am 11. Januar 2007 nicht mehr gewährt werden können, da darin unzulässige Subventionen gesehen werden, die nicht mit den WTO-Regeln im Einklang stehen.

Das UEL

Das UEL beschränkt grundsätzlich nicht mehr den Anteil, den Ausländer an einer Gesellschaft halten dürfen, obwohl dies speziell geregelt wird. Die Regierung legt jedoch fest, welche Sektoren für Ausländer verboten oder eingeschränkt sein sollen. Eingeschränkte Sektoren sollen mit 49% gedeckelt werden, während unbeschränkte Sektoren keine Deckelung erhalten.

Der rechtliche Repräsentant kann je nach Satzung der Gesellschaft der Vorstandsvorsitzende oder der Geschäftsführer sein. Er muss sich in Vietnam aufhalten. Limited Liability Unternehmen und Aktienunternehmen koennen in Abhaengigkeit des Bedarfs mehrere rechtliche Repraesentanten haben. Die Firmensatzung wird die Nummer, Management-Titel, Rechte und Pflichten der Repraesentanten festlegen. Wenn das Unternehmen nur einen Repraesentanten hat, muss dieser in Vietnam ansaessig sein. Diese Person muss eine andere Person authorisieren, um dessen Rechte und Pflichten auszufuehren, wenn er ausserhalb Vietnams ist.

Diese Formulierung findet sich im vietnamesischen Investitionsrecht öfter wieder und ist nicht vollkommen klar. Dem Wortlaut nach könnte hiermit zwar der Hauptwohnsitz gemeint sein. Sowohl die vietnamesische Version der Gesetze als auch die englische Übersetzung („reside in Vietnam“) sind jedoch in diesem Punkt sehr vage. Es wird erwartet, dass dieses Erfordernis in Kürze von der Regierung geklärt wird.

Weitere Anforderungen an die Person, welche die Unternehmensführung übernimmt, finden sich im UEL. Kriterien sind u.a.:

•                     Geschäftsfähigkeit

10% Gesellschaftsanteile oder besondere Kenntnisse und Erfahrungen, die ihn für das     konkrete Geschäftsfeld, in dem sich das Unternehmen betätigt, qualifizieren, soweit der Gesellschaftsvertrag nichts anderes bestimmt.

Das UEL unterscheidet zwischen dem Stammkapital (Charter Capital), dem für einige Projekte vorgeschriebenen Mindestkapital (Legal Capital) und der Gesamtinvestition (Investment Capital). Die Gesamtinvestition umfasst im Gegensatz zu Stamm- und Mindestkapital das gesamte im Zusammenhang mit der Investition aufgebrachte Kapital, das neben dem Stammkapital auch sonstiges Eigenkapital und Fremdkapital der Gesellschaft umfasst.

Das neue Unternehmensdecree

Die Richtlinien für die Implementierung des Unternehmensrechts ist im Decree 102/2010/CP-NP festgelegt, welches am 15. November 2011 in Kraft trat. Dieses Decree gibt den Gesellschaftern von GmbHs und AGs das Recht Verfahren im Namen des Unternehmens gegen den Vorstandsvorsitzenden oder gegen ein Mitglied des Vorstandes einzuleiten. Das Decree fügt eine Klarstellung bzgl. des Zeitpunktes der Zahlung von Kapitaleinlagen ein. Es werden jedoch einige Probleme im Bereich des Mindeststammkapitals eröffnet. Das Decree führt eine neue Definition bzgl. des Stammkapitals ein, in Bezug auf neu registrierte Aktiengesellschaften. Außerdem hat das Decree 102 eine neue Methode eingeführt wie Kapitaleinlagen getätigt werden können, in Form von geistigem Eigentum. Ob das Kapital eines vietnamesischen Unternehmens unter oder über 49% aus ausländischer Hand kommt ist sowohl nach Unternehmensrecht als auch nach Investitionsrecht, sowie deren  Implementierungsregelungen,  entscheidend. Falls die ausländische Beteiligung bei einem Mutterkonzern über 49% liegt, dann gelten für die Tochtergesellschaften die Regelungen bzgl. ausländischer Unternehmen. Das Unternehmensgesetz führt eine Definition des Managers ein und stellt klar, in welcher Art dieser seine Pflichten auszuüben hat.

Das Unternehmensgesetz wurde am 26. November 2014 von der Nationalversammlung verabschiedet und kam am 1. Juli 2015 mit dem Ausfuehrungsdecree No. 96/2015/ND-CP vom 19. Oktober 2015 in Kraft, welches die rechtliche Grundlage fuer das Recht der Unternehmen in Vietnam darstellt.

Decree No. 96/2015/ND-CP, welches Decree 102/2010/ND-CP ersetzt, gibt Richtlinien fuer Artikel 10, Artikel 44, 189 und 208 des Unternehmensgesetzes No. 68/2014/QH13. Es findet bei Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschraenkter Haftung, Partnerschaften und bei privaten Unternehmen, die Unternehmensregistrierung beantragt haben Anwendung. Es enthaelt Richtlinien fuer die Entwicklung von sozialen Unternehmen, Hilfsunternehmen, Sponsoren, aber auch ueber die Registrierung und es enthaelt Regeln fuer soziale Unternehmen.

Das Unternehmensgesetz No. 68/2014/QH13 enthaelt den essentiellen Inhalt des vorherigen Gesetzes. Dennoch gibt es viele neue Artikel im Unternehmensgesetz. Entsprechend des neuen Unternehmensgesetzes wurde eine neue Definition hinsichtlich des Eigentumsverhaeltnisses von auslaendischen Investoren hinzugefuegt.

Das neue Gesetz hat die Voraussetzung ueber die Zusendung eines bestaetigenden Dokuments ueber die Befriedigung der Kapitalmenge und Praxiszertifikate, im Stadium der Registrierung, entfernt.

1.7 Investitionsanreize

Investitionen ausländischer Unternehmen in Vietnam sind seit der Marktöffnung in fast allen Wirtschaftszweigen möglich. Allerdings beschränkten sich Investitionen bisher fast ausschließlich auf einige wenige Industriestandorte in Vietnam, so dass weite Teile des Landes heute noch unterentwickelt sind. Die vietnamesische Regierung versucht daher seit einigen Jahren durch die Gewährung von besonderen Vergünstigungen, Anreize für Investitionen in diesen Regionen zu schaffen. Das Investitionsgesetz enthält hierfür einige Instrumentarien. Zum Beispiel werden bestimmte Regionen in Vietnam, aber auch konkrete Einzelprojekte von der Regierung als besonders förderungswürdig eingestuft. Für solche Regionen oder Projekte gelten zahlreiche Vergünstigungen in steuerlicher und administrativer Hinsicht.

Die derzeitigen Investitionsanreize in Vietnam werden jedoch durch einige Probleme erheblich geschmälert. Zum einen bleibt oft unklar, welcher Investor überhaupt einen Anspruch auf finanzielle Hilfe besitzt. Zum anderen erweist sich die Durchsetzung des Anspruchs, insbesondere unter dem Blickwinkel der letztendlichen Verwendung der Mittel, oftmals als schwierig. Denn die mitunter fehlende Zielsetzung hat zu einem System geführt, das mehrere Ziele ohne Fokus verfolgt werden und entweder im gegenseitigen Widerspruch oder aber im Konflikt mit anderen politischen Zielen stehen. Im Ergebnis lässt sich das nicht mit dem Anspruch der vietnamesischen Regierung vereinbaren, durch Schaffung neuer Investitionsanreize die Anzahl von Auslandsinvestitionen zu erhöhen. Auch die Regierung ist sich sehr wohl bewusst, dass Investitionsanreize ein wichtiger Faktor bei einer Investitionsentscheidung ausländischer Investoren sind. Hier besteht also für die Zukunft noch ein weiterer Handlungsbedarf. Allerdings hat ein Vergleich mit Ländern wie Bangladesh, China, Malaysia, Philippinen und Thailand gezeigt, dass auch diese fünf asiatischen Staaten zur Zeit über kein wesentlich besseres System für Investitionsanreize verfügen, das Vietnam als Vorbild dienen könnte.[1]

In den letzten Jahren sind zahlreiche Vergünstigungen für ausländische Investitionen in Kraft getreten, die insbesondere zahlreiche Gebührenermäßigungen für Strom, Telekommunikation und Wasser mit sich gebracht haben. Der Premierminister hat zudem angekündigt, gegen unzulässige Gebühren vorzugehen, die teilweise von den Provinzbehörden oder den Behörden in den Industrie- und Exportverarbeitungszonen erhoben werden.

Schon seit dem Inkrafttreten des LFI und Decree 24 ist die Spaltung, Fusion und Umwandlung von Unternehmen mit Auslandskapital zulässig. Satzungen und Verträge dürfen nachträglich ohne weitere behördliche Genehmigung geändert werden. Der Aufsichtsrat bzw. der Vorstand dürfen nun über Anpassungen des Stammkapitals entscheiden. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen ausländische Investoren auf Landnutzungsrechte Hypotheken und damit Kapital aufnehmen.

Darueber hinaus erlaubt Decree 45 vom 1. Oktober 2000, dass Zweigstellen und Repraesentanzen auslaendischer Unternehmen, weitere Freiheiten fuer das Marketing der importierten Produkte und fuer Dienstleistungen erhalten sollen. Im August 2006 hat Decree 72/2006/ND-CP das Decree 45 ersetzt. Decree 72 hat die Freiheiten der Repraesentanzen wieder leicht begrenzt und erlaubt auslaendischen Unternehmen die Errichtung einer kommerziellen Zweigstelle mit mehr Macht – jedoch vorerst nur in der Theorie. Es bleibt abzuwarten, was Durchfuehrungsregulierungen bringen werden.

Seit dem 25. Januar 2016 ersetzt Decree 07/2016/ND-CP Decree 72 und vergibt detaillierte Regularien ueber die Errichtung, Durchfuehrung, Rechte und Pflichten der Repraesentanzen und der Zweigstellen fuer auslaendische Aktionaere in Vietnam.

Das Decree ist auf auslaendische Aktionaere, Repraesentanzen und Zweigstellen solcher Aktionaere in Vietnam, anzuwenden. Obgleich sollen Repraesentanzen, Zweigstellen von auslaendisch investierten Unternehmen, die in Vietnam gegruendet wurden nicht von diesem Decree geregelt werden.

Der Premier Minister hat mit der Decision 21 einen Aufschub für kleine und mittelständige Unternehmen für die Unternehmenseinkommensteuer bewilligt. Das Finanzministerium hat als Konsequenz daraus das Circular 52/2011/TT-BTC am 21. April 2011 erlassen. Der Aufschub wird für ein Jahr gewährt und wird ein Jahr nachdem die Zahlung ursprünglich faellig gewesen wäre faelllig. Alle Zahlungen, die für das Jahr 2011 im Rahmen der Unternehmenseinkommensteuer zu machen sind, werden in diesem Aufschub eingeschlossen, dass heißt: auch alle möglichen Aufschübe, die für das Jahr 2011 gewährt worden sind. Der Aufschub gilt jedoch nicht für jedes Einkommen, so sind z.B. Einkommen aus Immobilien, Sicherheiten Handel, Finanzierungen und Versicherungen nicht Teil des Aufschubes. Das so erlangte Einkommen muss also gesondert berechnet werden.

1.7.1 Gefoerderte Sektoren

Im Rahmen regionaler Strukturförderung wurden primär unterentwickelte Regionen als besonders förderungswürdig eingestuft. Daneben förderte die vietnamesische Regierung bislang grundsätzlich exportorientierte Investitionen, da diese zur Devisenversorgung Vietnams beitragen und zudem keine Konkurrenz zu den einheimischen Produkten darstellen. Derartige Investitionsanreize werden aber seit dem Beitritt Vietnams zur WTO als unzulässige Subventionen nicht mehr gewährt.

Zudem soll der Wertpapierhandel weiteres Fremdkapital in das Land bringen. Deshalb sind seit Juni 2000 neue Regelungen für Emittenten, für im Wertpapiergeschäft tätige Handelsfirmen und für private Investoren mit erheblichen Steuervergünstigungen in Kraft getreten, um den Handel an der im Juli 2000 eröffneten Börse in Ho Chi Minh Stadt zu stimulieren.

Das CIL enthält unter anderem Investitionsanreize für folgende Industriezweige:

•                     Entwicklung neuer Energiequellen, Produktion von Hochtechnologieprodukten,

Biotechnik, Informationstechnik;

•                     Land- und forstwirtschaftliche Produkte, Salzproduktion, Zucht neuer Pflanzenarten;

•                     Förderung traditionellen Handwerks;

•                     Projekte, durch die viele Arbeitsplätze geschaffen werden;

•                     Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie

•                     Ausbau der Infrastruktur und wichtiger industrieller Produktionsstätten.

1.7.2 Spezielle Wirtschaftsfoerderungszonen

Die vietnamesische Regierung hat bereits seit den sechziger Jahren spezielle Wirtschaftsförderungsgebiete etabliert. Solche Wirtschaftsförderungsgebiete weisen eine moderne Infrastruktur und eine gute Logistik auf und verfügen über die notwendigen Dienstleistungen. Daneben bieten sie gegenwärtig durch niedrige Lohnkosten und Mieten, durch ein vereinfachtes Lizenzverfahren, sowie durch zahlreiche Steuervergünstigungen zusätzliche Investitionsanreize für ausländische Unternehmen. Vietnam versucht mit Hilfe der Wirtschaftsförderungsgebiete ausländische Investoren zu gewinnen, um auf diese Weise die dringend benötigten Devisen zu erhalten und, um somit weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Es gibt drei verschiedene Arten von Wirtschaftsförderungsgebieten: Industriezonen (IZ), Exportverarbeitungszonen (EPZ), High-Tech Zonen (HTZ) und Wirtschaftszonen (WZ).

Momentan sind 130 Industrie- und Exportverarbeitungszonen zu verzeichnen. Die vietnamesische  Regierung hat in den letzten Jahren zahlreiche Vergünstigungen für Investitionen in Wirtschaftsförderungsgebieten geschaffen. In dieser Hinsicht wurden unter anderem:

•                     die Verwaltungen der Großstädte und Provinzen sowie der Industriezonen ermächtigt,

          ausländische Investitionsprojekte bis zu einem Volumen von 10 Millionen USD selbst zu

genehmigen;

•                     die Bearbeitungszeit für Investitionsanträge in den Industriezonen auf 30 Tage verkürzt

               (Investitionsprojekte mit einem Exportanteil von über 80 % werden innerhalb von 15

               Tagen bearbeitet, wobei an den Tag der Eingabe der vollständigen Unterlagen

               angeknüpft wird);

•                     die Steuerrate auf ins Ausland transferierte Gewinne wird von bisher 15 % auf 5 %

gesenkt;

•                     folgende Steuervergünstigungen wurden geschaffen:

- Unternehmen in High-Tech Zonen zahlen nur eine 10%-ige Gewinnsteuer, bezogen auf den erwirtschafteten Gewinn; zudem erhalten sie eine vierjährige Gewinnsteuerbefreiung,  die mit dem ersten Gewinnjahr beginnt;

- Produzierende Unternehmen in Exportverarbeitungszonen zahlen eine 10%-ige Gewinnsteuer und erhalten eine vierjährige Gewinnsteuerbefreiung, die mit dem ersten Gewinnjahr beginnt. Dienstleistungsunternehmen in Exportverarbeitungszonen zahlen eine 15 %-ige Gewinnsteuer und erhalten eine zweijährige Gewinnsteuerbefreiung;

- Unternehmen in Industriezonen werden nach den in der Investitionslizenz festgesetzten Exportanteilen besteuert (Gewinnsteuer). Die Steuersätze reichen von 10% bis 15%. In diesem Zusammenhang wird grundsätzlich eine zweijährige Gewinnsteuerbefreiung gewährt, wobei zusätzlich für weitere zwei Jahre eine 50%-ige Gewinnsteuerermäßigung eingeräumt wird. Dienstleistungsunternehmen in Industriezonen zahlen eine 20%-ige Gewinnsteuer und sind für ein Jahr von dieser Steuer befreit.

1.7.3 Foerderungsmassnahmen

Zur Förderung von Investitionen in den förderungswürdigen Sektoren sieht das Investitionsgesetz niedrige Steuersätze, sonstige Steuererleichterungen und in einigen Fällen sogar Steuerbefreiungen vor. Für förderungswürdige Investitionsprojekte kommt insbesondere eine Reduzierung der Körperschaftsteuer oder der Einfuhrzölle in Betracht. Die Regierung hat bei der Gewährung von Steuervorteilen im Einzelfall einen weiten Ermessensspielraum.

Bislang erhielten Unternehmen mit Auslandskapital unter bestimmten Voraussetzungen dieselben Vergünstigungen, die besonders geförderten Projekten gewährt wurden. Diese Vergünstigungen wurden Unternehmen gewährt, die eine hohe Exportquote (50 – 80 %) aufwiesen, vietnamesische Rohstoffe intensiv nutzen und/oder überwiegend vietnamesische Arbeitskräfte beschäftigen. Mit dem Beitritt Vietnams zur WTO fallen jedoch solche Vergünstigungen weg, denen lediglich Unternehmen mit hoher Exportquote gewährt wurden. Seit dem 01.08.2000 sind Unternehmen mit Auslandskapital berechtigt ihre Verluste in das Folgejahr vorzutragen. Dieser Verlustvortrag ist allerdings auf 5 Jahre beschränkt. Eine Aufhebung dieser Grenze wird von Seiten der Wirtschaft zwar gewünscht, ist bisher aber nicht erfolgt.

Weiterhin ermöglicht der CIL die Einrichtung von Exportverarbeitungszonen und Industriezonen, in denen besondere steuerliche Vergünstigungen und Zollbestimmungen gelten. Dort werden zum Beispiel auf Importe von Gütern, die zur Errichtung eines ausländischen Investitionsprojektes in diesen besonderen Gebieten benötigt werden, keine Zölle erhoben. Allerdings haben ausländische Investoren an diesen besonderen Gebieten bisher wenig Interesse gezeigt, da es oftmals noch an der notwendigen Infrastruktur (Verkehrswege, Erschließung des Geländes etc.) fehlt. Seit dem 01.07.1999 dürfen Unternehmen in Exportverarbeitungszonen Waren auf dem Inlandsmarkt verkaufen. Zudem erhalten Unternehmen in Industrie- und Exportverarbeitungszonen zukünftig für die Dauer der abgeschlossenen Verträge garantierte Landnutzungsrechte.

Bitte kontaktieren sie den Autor Dr. Oliver Massmann, Generaldirektor von Duane Morris unter omassmann@duanemorris.com wenn Sie Fragen zu dem oben erlaeuterten Inhalt haben.



[1] Foreign Investment Advisory Service (FIAS), Bericht ueber Investitionsanreize und Investorenschutz in Vietnam – Moeglichkeiten fuer die Einfuehrung eines investitionsfreundlichen Wandels, November 2004.

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