Rechtsanwalt in Vietnam Dr. Oliver Massmann AGRARWIRTSCHAFT

Rechtsanwalt in Vietnam Dr. Oliver Massmann AGRARWIRTSCHAFT

Business in Vietnams Agrarwirtschaft

Die Zukunft der nachhaltigen Agrarkultur

Autor: Dr. Oliver Massmann

Dieser Artikel behandelt die Sorgen der internationalen Community bezüglich der Agrarwirtschaft Vietnams.

Mehrere der Probleme wurden von der FOREIGN INVESTOR GROUP bereits vorgetragen, jedoch unserer Ansicht nach nicht gelöst. In diesem Jahr haben wir einen weiteren Teil zum Thema Lebensmittelsicherheit hinzugefügt, da dies im Lichte der verschiedenen Freihandelsabkommen ein wichtiges Thema ist. Die Regierung hat hierzu bereits eine Vielzahl von Maßnahmen getroffen. Dennoch bleibt vielen vietnamesischen Produkten der Zugang zu den Märkten von bspw. den USA, Japan, Australien und der Europäischen Union verwehrt.

Dieses Positionspapier ist in vier Abschnitte aufgeteilt: Ein Kommentar zum Verordnungsentwurf zur Verbesserung des ausländischen Investments in die Agrarwirtschaft, Modernisierung und Nachhaltigkeit von Vietnams Agrarwirtschaft, weitere agrarwirtschaftliche Probleme bzgl. Geistigem Eigentums, Pestiziden und Düngern und zuletzt das Thema Lebensmittelsicherheit. Jeder Abschnitt wird einen Überblick und eine Empfehlung unsererseits beinhalten. Am Ende des Abschnitts befindet sich eine Beschreibung der Probleme, deren Auswirkungen und unser Lösungsvorschlag.

1. Verordnungsentwurf zur Verbesserung für ausländischen Investments in die Agrarwirtschaft

Nach unserer Ansicht ist der bisherige Verordnungsentwurf sehr allgemein und an einigen Stellen gar “schwammig” gehalten. An anderen Stellen fehlt es an der objektiven Entscheidungsfindung der Behörden. Darüber hinaus bezieht sich der Entwurf nur auf ausländisches Investment. Dies ist im Lichte des Investmentgesetzes von 2014, welches ein einheitliches Rahmenwerk für ausländisches und inländisches Investment vorsieht, unverständlich.

Offene Fragen bestehen auch bezüglich des vom Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (MARD) umgesetzten Agrarrestrukturierungsplanes (ARP), der sowohl in- als auch ausländisches Investment gleichermaßen fördert.

Der Entwurf nennt Orte und Tätigkeiten, bei denen Unternehmen mit finanziellen Anreizen rechnen können. Die Logik dahinter erschließt sich jedoch nicht. Wir raten dem MARD daher eine Umfrage unter Investoren durchzuführen, ob die bestehenden Anreize interessant sind oder ob es anderer bedarf.

Zuletzt nennt der Entwurf ein Investmentpromotionsprogramm, das so vage formuliert ist, dass es praktisch unnütz ist.

Wir regen an, dass das MARD und/oder die Task Force (für private Investments) genau beschreibt, welche Dienstleistungen und Hilfestellungen sie einem Anleger bieten.

Empfehlungen:

-              Verordnungsentwurf spezifizieren

-              mit der Investmentpromotion verbinden

-              Anwendungsbereich nicht auf ausländische Investments beschränken

-              Durchführung einer Umfrage unter Investoren bzgl. der Effektivität der bisher gegebenen Anreize

-              Definierung der Dienstleistungen und Hilfestellungen an Investoren

2. Modernisierung und Nachhaltigkeit der Agrarindustrie in Vietnam

Eines der zentralen Probleme von Vietnams Agrarindustrie ist die mangelnde Nachhaltigkeit. Dies ist der teils kleinbaeuerlichen Produktion geschuldet. Dadurch ist eine preisreduzierende und qualitaetssichernde maschinelle Produktion nicht möglich. Die Regierung hat dieses Problem erkannt und versucht nun ausländische Investoren anzuziehen. Sie entwickelte High-Tech-Agrargebiete mit dazugehörigen Programmen, um die Kreditaufnahme zu modernisieren und die Industrie zu technologisieren.

Wir sind der Ansicht, dass die Regierung auch Anreize zur Kooperation zwischen den Bauern schaffen sollte. Gleiches gilt fuer durch Unternehmen für Bauen geschaffene Anreize.

Uns ist bewusst, dass dies zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit führen würde, da ein Großteil der Arbeitsplätze von der Landwirtschaft abhängt. Daher unterstützen wir die Idee des verstärkten Baus von Fabriken in ländlichen Regionen, um die Beschäftigung aufrechtzuerhalten.

In den letzten Jahren stimmten die Investitionen in den Agrarbereich nicht mehr mit dem Beitrag überein, den dieser Wirtschaftssektor fuer das BIP leistet. Wir stimmen dem “Vietnam Country Paper” des FFTC-NACF-Seminars vollkommen zu, dass Investments in die Agrarwirtschaft zur Sicherung der Lebensmittelsicherheit und der allgemeinen Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind. Wir sind der Überzeugung, dass ein modernisiertes und mechanisiertes Agarsystem in verbesserter Produktion resultieren wird. Um dieses Ziel zu erreichen, wäre es hilfreich, einheitliche Wettbewerbsbedingungen für ausländische Unternehmen zu schaffen. Dabei ist insbesondere die Expertise und das Wissen zu berücksichtigen, das diese Unternehmen ins Land bringen könnten. Im Hinblick auf die verschiedenen finanziellen Anreize, die die Regierung setzt, kann davon ausgegangen werden, dass man sich diesem Umstand bewusst ist.

Wichtig wird es zukünftig auch sein, den Export in die Nachbarländer zu stärken. Derzeit importiert Vietnam viele Produkte aus Thailand und China, aber sorgt kaum für Export in diese Länder. Der Marktzugang in diese und andere Länder wird zukünftig ausgehandelt werden müssen.

Selbst wenn die Unterstützung der Regierung ungenügend ist, könnte die Modernisierung durch ausländische Investments (FDI) und Private-Public Partnerships (PPP) vorangebracht werden. Sicherlich wird die Umsetzung des Verordnungsentwurfs helfen, jedoch sollten unsere Vorschläge ebenfalls bedacht werden. Zum Beispiel wird es wichtig sein, eine transparente Handelspolitik und Verwaltungsverfahren sicherzustellen. Außerdem müssen Klein- und Grossbauern den gleichen Zugang erhalten. Wir freuen uns über die Ansicht des Präsidenten, dass bestimmte Regionen mehr FDI und High-Tech—Anbautechniken nutzen sollten.

PPPs werden weiterhin eine entscheidende Bedeutung bei der Weiterentwicklung des Sektors haben. Die Regierung sollte ein Überwachungssystem einführen, um die effektive Arbeit der Bauern sicherzustellen. Sollte dies nicht geschehen, befürchten wir, dass es zu keinen einheitlichen Wettbewerbsbedingungen kommen wird.  Das mangelnde politische Handeln würde wohl in der Abkehr von Investments in PPPs führen, obwohl diese bisher gute Erfolge erzielen konnten. Ein weiterer Weg Nachhaltigkeit im Agrarbereich zu fördern, ist die Bereitstellung von Düngemitteln. Eine übliche Aktivität von Unternehmen ist die Veranstaltung von Bauerntreffen. Diese Treffen haben zum Ziel, neue technische Möglichkeiten vorzustellen und Aufklärung zu betreiben, wie die Technologien betrieben werden, um die Ernten zu steigern. Obwohl es sich um lokale Zusammenkünfte handelt, bedarf es einer Genehmigung des Dezernats für Industrie und Handel (DOIT) auf Provinzebene. Dieser Vorgang müsste vereinfacht und harmonisiert werden, weil die Einholung der Genehmigung für jedes Treffen umständlich ist und je nach Provinz unterschiedlich gehandhabt wird. Zudem müssten Verfahren für Ausländer vereinfacht werden, z.B. bei solchen, die bereits eine Genehmigung erhielten. Für Ausländer mit ständiger Aufenthaltserlaubnis sollten zusätzliche Maßnahmen vollkommen abgeschafft werden. Zudem haben wir erfahren, dass die Beamten häufig selbst keine Ahnung von der Umsetzung neuer Regulierungen haben. Hierfür bedürfte es Schulungen.

Empfehlungen:

                - Ausweitung des Agrarsektors

                - Förderung von Zusammenarbeit

                - Fortführung der vereinfachten Kreditaufnahme für Bauern und anderer finanzieller Anreize zur Modernisierung und Technologisierung

                - Unterstützung der Bauern beim Jobwechsel, durch Förderung von Fabriken in ländlichen Regionen

                - Förderung von Best Practices oder PPP

                - Ein Überwachungssystem zur Sicherstellung der Best Practices einführen

                - Fuer einheitliche Wettbewerbsvoraussetzungen sorgen, durch:

                                -> gleichen Zugang zur Finanzierung innerhalb und außerhalb Vietnams

                                -> gleichen Zugang zu Rohstoffen innerhalb und außerhalb Vietnams

                                ->  gleichen Zugang bei Lizenzen

                                -> gleichen Zugang bei anderen geschäftsbezogenen Voraussetzungen

                - Wechsel vom Export von Rohstoffen und Produkten niedriger Qualität zu Produkten hoher Qualität

                - Nebenprodukte zu attraktiven Exportprodukten machen

                - Produkte diversifizieren und dieselbe Unterstützung geben wie bei Kaffee, Tee, Pfeffer, Meeresfrüchten und Gummi

                - Anregen von Investments in die Produktion, der Nacherntephase, Verarbeitung und Haltbarmachung

                - Schaffen des Marktzuganges in Nachbarstaaten

                - Vereinfachung und Harmonisierung des Verwaltungsverfahrens zum Erhalt einer Genehmigung für Bauerntreffen

                - Vereinfachung der Zugangsvoraussetzung für Ausländer, die über eine Vertriebslizenz verfügen

                - Abschaffung der Genehmigungspflicht für Ausländer, die über eine Aufenthaltsgenehmigung verfügen

                - Organisierung von Schulungen für Beamte und Industrien zur Erhöhung der Effektivität der Gesetzesumsetzung

3. Qualitative Anbaumethoden sowie Pestizide und Dünger

Ein aktueller Bericht vermutet, dass die Hälfte aller Düngemittel, die von den Behörden bereitgestellt werden, nicht überprüft oder sogar gefälscht sind. Danach läge ein wirtschaftlicher Schaden von 800 Million US-Dollar vor. Plagiate und illegale Pflanzenschutzmittel werden ebenso immer häufiger gefunden. Dies führt zu erheblichen Verlusten bei Bauern und der Agrarindustrie. Gefälschte Pestizide werden selten getestet und können unbekannte giftige Stoffe enthalten, die die Gesundheit von Bauern und Verbrauchern schädigen können. Außerdem können die Nutzpflanzen aufgrund der Rückstände von der Lebensmittelindustrie zurückgewiesen werden. All diese Umstände können dem Landwirt seinen Lebensunterhalt kosten. Wir sind der Überzeugung, dass ein strengeres Meldeverfahren und die Durchsetzung der bestehenden Gesetze das Potential vietnamesischer Produkte am Markt der Europäischen Union vergrößern wird. Dies wiederum wird die Marktposition der Bauern stärken.

Wir glauben, dass die fehlende Führung der Regierung in Fragen der sicheren und angemessenen Nutzung von Anbaumethoden zu Umwelt- und Sicherheitsproblemen führt. Hochqualitative Anbaumethoden sind für kleine Landwirtwirte nicht bezahlbar, weshalb sie nicht mit den großen in Wettbewerb treten können. Dies wirkt sich negativ auf das Geschäft der Kleinbauern aus. Bei korrekter Anwendung modernerer Anbaumethoden würden die Produktionskosten sinken, die Erntequalitaet steigen und der Einfluss von Düngern auf die Umwelt verringert werden. Gleichzeitig wird es entscheidend sein das Bewusstsein fuer diese Problematik zu stärken.  Durch Schulungen könnte den Bauern eine klare Unterscheidung zwischen NPK-Düngern und anderen Chemikalien des HS-Gesetzes vermittelt werden. Außerdem sollten Unternehmen, die qualitative Produkte produzieren oder importieren eine besondere Behandlung bei der Lizenzvergabe erhalten. Zum Abschluss möchten wir gerne Anmerkungen zu den neuen Regulierungen bzgl. der Handhabe von Düngern machen.

Das Ziel dieser Gesetzgebung ist die Restrukturierung des Duengermarktes Vietnams, um Stück für Stück Fälschungen und Produkte von minderer Qualität vom Markt zu drängen. Die Auswirkungen sind bisher als positiv zu bewerten. Dennoch bedarf es Anpassungen, da Unternehmen mit guten Produkten vor Problemen stehen. Daher ist es wichtig eine gute Stichprobenpruefung durchzuführen, um unzuverlässige Produkte und Fälschungen den Marktzutritt zu verwehren.

Empfehlungen:

-              Geistiges Eigentum stärken durch striktes Durchgreifen bei Fälschungen und Verbannungen vom Markt

-              Bewusstsein für die Risiken für Bevölkerung und Bauern stärken

-              Anwendung strengerer Regelungen bei niederer Qualität und gefälschten Düngern

-              Voraussetzungen zur Einhaltung des Geistigen Eigentums bereits bei Anmeldung einhalten

-              Einführung einer strengen Markenkontrolle; Entfernung von Nachahmerprodukten, Logos etc.

-              Korruption auf kommunaler Ebene bekämpfen; Erschwerung von Öffnung und Schließung kleiner Unternehmen

-              Einführung eines Schulungsprogramms, um die angemessene Nutzung von Düngemitteln nach dem “4-R-Prinzip” (richtiges Produkt, richtige Menge, richtige Zeit, richtiger Ort) zu lehren: Dies wird die Erntequalitaet steigern sowie die Produktionskosten und Umwelteinfluesse senken.

-              Schulen der Beratungsagenturen bzgl neuer Moeglichkeiten der Pflanzenaufzucht und zu den Themen des Planzenschutzes sowie des Umwelteinflusses

-              Zuegige Weitergabe neuen Wissens und neuer wissenschaftlicher Untersuchungen an Bauern

-              Wettbewerbsgleichheit schaffen durch Abschaffung des Einfuhrzolls fuer hochwertigen NPK-Duenger

-              Klare Unterscheidung der Duengemittel voneinander, auch durch Gesetzgebung

-              Verpflichtende Leadership-Programme zur Schulung der korrekten Duengermittelgabe

-              Gesetzgebung einfuehren, die Investoren den Bau einer qualitativen Infrastruktur ermoeglicht, um das Testen und Ueberwachen der Ernten zu ermoeglichen

-              Abschaffung der Lizenzerforderung fuer solche Unternehmen, deren Lizenz bereits die Einfuhr umfasst

-              Abschaffung des Empfehlungsschreibens zum Erhalt einer Genehmigung fuer den Import von Duengern

-              Konzentration auf die Ueberpruefung der lokalen Maerkte

-              Unterscheidung einfuehren fuer Unternehmen, die ueber eine Lizenz zur lokalen Produktion und zum Lokalen Vertrieb verfuegen und solchen die lediglich ueber eine Vertriebslizenz verfuegen.

-              Einfuehrung technischer Barrieren zur Verhinderung der Nutzung von Duengemitteln, die fuer Mensch und Umwelt als riskant gelten

-              Anregen von verantwortungsvollem und ethischem Umgang mit Pestiziden durch Befolgung einer bewaehrten Handlungsweise

-              Anregen angemessener Kennzeichnung der Pestizide

-              Anregung neue Pflanzenschutzmittel herzustellen, die dem neuesten Standards entsprechen

-              Schulungsprogramme zur Bildung ueber die korrekte Nutzung von Pestiziden anhand der Betriebsanleitung einfuehren

-              Anregung korrekt Proben zu entnehmen, um keine falschen Ergebnisse zu erhalten und

-              Bereitstellung von Richtlinien zur Hilfe der korrekten Probeentnahme

4. Lebensmittelsicherheit

Lebensmittelsicherheit stellt ein grosses Problem fuer den Wirtschaftssektor und die Bevoelkerung dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schreibt: “Unsichere Lebensmittel sind seit dem Beginn der Geschichtsschreibung bis zum heutigen Tag ein Problem. Zwar versuchen die Regierungen die Lebensmittelsicherheit zu verbessern. Jedoch treten signifikante Gesundheitsprobleme noch immer in der entwickelten Welt und den Entwicklungslaendern auf.”

In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 betrug die Anzahl der gemeldeten Faelle der Lebensmittelvergiftung 129, 3.436 Menschen erkrankten und 20 starben.

Mangelnde Lebensmittelsicherheit fuehrt nicht nur zur Erkrankung von Menschen, sondern sorgt auch fuer geringere Exportmoeglichkeiten Vietnams und deren schlechtangesehenen Produkte. Im Jahr 2014 erhielten die Europaeische Union, Japan und die USA Warnungen ueber Schiffladungen mit Meeresfruechten, die die zugelassenen Hoechstwerte an Antibiotika ueberschritten. Im Jahr 2015 wurden zahlreiche Probleme beim Export nach Saudi Arabien, den USA und Japan gemeldet. Seit Januar hat das Schnellwarnsystem fuer Lebensmittel (RASFF) der EU 21 aus Vietnam stammende Produkte zurueckgewiesen. 17 weitere Produkte wurden zurueckgezogen und koennen bis auf Weiteres nicht vertrieben werden. Im Lichte der anstehenden Ratifizierungen der verschiedenen Handelsabkommen wird es wichtig sein, Rueckstaende in der Nahrung staerker zu konrollieren, da der Wettbewerb hier enger werden wird.

Die hohen Werte koennten auch durch Faelschungen und verbotene Inhaltsstoffe bzw. Rohstoffe entstanden sein, welches neben der Schaedigung der Reputation Vietnams auch zu ernsthaften Gesundheitsrisiken bei Bauern und Verbrauchern fuehren kann. Teilweise betrifft dies auch Produkte, die seit langem in anderen Laendern verboten sind, in Vietnam jedoch immernoch benutzt werden, weil sie noch nicht verboten wurden, Regularien unklar sind, oder sie aufgrund der mangelnden Durchsetzung bestehender Regelungen weiter verwendet werden. Es ist ueberall bekannt, dass die falsche Handhabung nach der Ernte, bei Lagerung und Vertrieb die Lebensmittelsicherheit beeintraechtigt. Helfen koennte hier eine Lebensmittelsicherheitsbehoerde, die einem Ministerium unterstellt ist und fuer die Harmonisierung und Koordinierung der Gesetzgebung und anderen Regularien zustaendig ist. Dies wuerde zu weniger buerokratischem Aufwand fuehren und so das Anlegerinteresse steigern. Uns ist bewusst, dass die Regierung hierueber bescheid weiss und bereits versucht Aenderungen herbeizufuehren. Rundschreiben 13/2014/TTLT-BYT-BNNPTNT-BCT stellt einen entscheidenen Schritt nach vorn bei der Verhinderung von sich ueberschneidenden Regularien dar. Dennoch kann auch das Rundschreiben nicht alle Unsicherheiten beseitigen. Das derzeitige System erschwert die widerspruchsfreie Implementierung und Anwendung der Gesetze. Verkompliziert wird dies durch die teilweise unterschiedliche Auslegung von Gesetzen auf lokaler und provinzialer Ebene. Kontrolleure koennen drei bis vier mal im Jahr kommen und widerspruechliche Bewertungen abgeben. Dies ist teuer und zeitaufwaendig fuer Unternehmen und Regierung, was zu erhoehten Verbraucherpreisen, jedoch keinesfalls zu hoeherer Sicherheit fuehrt. Wir denken, dass es verschiedene Moeglichkeiten gibt, dieses Ziel zu erreichen. Die Verbesserung der Qualitaet von Laboren und Testmethoden wird hierbei eine wichtige Rolle spielen. Zudem sind wir der Meinung, dass die Gleichbehandlung von Unternehmen sowie die Gleichbehandlung von Produkten bei der Einfuhr nach Vietnam entscheidend sind. In der Praxis ist dies jedoch nicht immer der Fall. Ein aktueller Fall, bei dem zwei Proben verschiedener Institute fuer dasselbe Produkt, zu unterschiedlichen Ergebnissen fuehrten, zeigte wie notwendig Verbesserungen in diesem Bereich sind. In manchen Faellen koennen nuetzliche Tests zwar innerhalb der EU genutzt werden, duerfen aber nicht nach Vietnam importiert werden. Dadurch ist die lokale Frucht verglichen zu anderweitig kultivierten Fruechten, die mit Wachs behandelt wurden, fuer den Export weniger attraktiv. Nach unserer Ansicht koennen Probleme bei der Lebensmittelsicherheit unterschiedlich behandelt werden, wie z.B. durch einen rechtlichen Rahmen, ein Rueckverfolgungssystem, einer zentralisierten Lebensmittelsicherheitsbehoerde, der Durchsetzung Geistigem Eigentums, Pestizitueberpruefung und –handhabung, guter Probemoeglichkeiten, und effektiver rechtlicher Durchsetzung. Die potentielle Lebensmittelsicherheitsbehoerde koennte auf unterschiedliche Art und Weise in der Versorgungskette involviert sein.

Empfehlungen:

-              Weitere Spezifizierung des Anwendungsbereichs vom Rundschreiben 13

-              Etablierung einer Arbeitsgruppe mit Repraesentanten der relevanten Ministerien/Behoerden und Organisationen im Lebensmittel-, Agrar-, und Meeresfruechtegeschaeft (aenhnlich des Kommitees fuer Lebensmittel, Agrar- und Aquakultur des EuroCham)

-              Anpassung des Lebensmittelgesetzes und Schaffung einer zentralisierten Lebensmittelsicherheitsbehoerde, die einem Ministerium unterstellt ist

Uebertragung der folgenden Aufgaben an die Lebensmittelsicherheitsbehoerde:

-              Ueberpruefung, Zertifizierung und Kontrolle in Bezug auf Import, Export und Umschiffung von Inhaltsstoffen, Rohstoffen und Lebensmittelprodukten

-              Lebensmittelkennzeichnung und Werbung

-              Veroeffentlichung von Warnungen zu Pestiziden, Duengern, Futter etc.

-              Lizensierung und Registrierung von Lebensmittelhaendlern, -verarbeitern und Warenlagern

-              Bereitstellung von Bildung und Schulungen zur Lebensmittelsicherheit und Hilfestellung zu moeglichen strafrechtlichen Ermittlungsverfahren in Bezug zu Lebensmitteln

-              Eingliedern der bestehenden Strukturen in die Lebensmittelsicherheitsbehoerde, um bestehendes Wissen nicht zu verlieren

-              Zusammenarbeit mit Nachbarstaaten im Bereich der grenzueberschreitenden Lebensmittelsicherheit

-              Anregen eines Rueckverfolgungssystems fuer Unternehmen

-              Gesetzesanpassung in der Weise, dass alle Labore Vietnams dieselben international anerkannten und standartisierten Pruefmethoden nutzen

-              Foerderung der VILAS-Akkreditierung durch Nutzung als alleiniges System. Anerkennung auslaendischer und inlaendischer Pruefergebnisse von Laboren, die nach internationalen Standards akkreditiert sind. Pruefungsergebnisse auslaendischer, nach internationalen Standards anerkannter Labore sollten nicht durch die Notwendigkeit eines weiteren Tests (zum Erhalt der Lizenz) hinterfragt werden.

-              Erhoehung der zulaessigen Pruefungsmethoden

-              Harmonisierung der Arbeitsmethoden von Laboren und Entwicklung von Best Practices

-              Sicherstellung einer harmonisierten Umsetzung der aktuellen Gesetzesaenderungen

-              Reduzierung von Buerokratie bei Labortests, die im Ausland durchgefuehrt werden

-              Hinzufuegen einer gesonderten Analyse auf Schwermetalle

-              Testen aller Gattungen von Schwermetallen auf Schaedlichkeit im Bereich Mobilität, Bioverfuegbarkeit, und Bioakkumulation

-              Anregen von Verbesserungen der Prüfmethoden und Einrichtungen, nach aktuellen Standards der ISO, AFNOL, AOAC, um genaue Prüfergebnisse zu erhalten und jede Art der Verspätung und ungerechtfertigten Diskriminierung zu verhindern.

-              Erlaubnis importierte Tiefkuehlware zur Quarantäne und Sicherheitsinspektion in hauseigenen Warenlagern zu halten, um die Kühlkette nicht zu unterbrechen

-              Erlaubnis Waren nach Vietnam ohne weitere Dokumentation importieren zu können, soweit diese in anderen Ländern legal verkauft werden dürfen

-              Durchsetzung des Rechts, insbesondere wenn die öffentliche Gesundheit betroffen ist

Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Oliver Massmann (omassmann@duanemorris.com). Oliver Massmann ist General Direktor bei Duane Morris Vietnam LLC.

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