Huhn oder Adler

Es war einmal.......

In einem dunklen Hühnerstall lagen etliche Eier zum ausbrüten bereit. Das Gegacker der Hennen war dementsprechend laut, weil sie sich darum stritten, wer das besonders grosse Ei, das zwischen den anderen lag, ausbrüten will. Endlich erklärte sich eine Henne dazu bereit und sie begannen mit ihrer Arbeit.

Als es so weit war und die Küken zu schlüpfen begannen, stellte sich heraus, dass aus dem extra grossen Ei auch ein extra grosses Küken schlüpfte. Die Hennen wunderten sich zwar, aber weil es unter den anderen Eiern lag, betrachteten sie das Küken das herauskam, als eines der ihren. Sie pickten  Körner zusammen, sie tranken Wasser, sie schwatzten und stritten sich.

Die Zeit verging und die Küken wurden rasch grösser und kräftiger.

Eines Tages, die Sonne schien vom wolkenlos blauen Himmel, machte die Hühnerschar einen Ausflug in den Hühnerhof. Ach, was war das für ein herrliches Gefühl, es roch nach unendlicher Freiheit. Die Küken freuten sich und rannten übermütig hin und her. Das Riesenküken blickte hinauf zum Himmel und da sah es hoch oben einen riesengrossen Vogel mit ausgebreiteten Flügeln majestätisch dahin gleiten. Mit offenen  Schnabel sah es dem Riesenvogel zu, wie er schwerelos dahinglitt. Da, schaut her, rief er aufgeregt die anderen Hühner herbei, dieser riesige Vogel da oben, wer ist das? Ja weisst Du das denn nicht, klärte ihn eine Henne auf, das ist der Adler, unser  König der Lüfte.  

Wow, rief das Riesenküken, phantastisch! ich will auch so fliegen können, ganz genauso, ich will mit ihm fliegen. "Ach, Du Dummkopf" sprach die Henne, was willst Du denn da oben? das ist ja viel zu gefährlich für Dich. Wer weiss, was Dir da alles passieren kann. Du gehörst zu uns, wir haben Dich gross gezogen und wir sind Deine Familie. 

Von diesem Tag an träumte das Riesenküken vom mächtigen Adler und dass es genauso werden wollte wie er. Traurig kehrte er mit den anderen Hühnern in den dunklen, engen Stall zurück. Dann, eines Tages, als das Riesenküken sich gross und kräftig genug fühlte, war es so weit: Heute würde er zum grossen Adler fliegen.

Als die andern noch schliefen, schlich er sich heimlich davon, hinaus auf den Hühnerhof. Alles war noch dunkel und still. Er schlug heftig mit seinen Flügeln und versuchte, hochzukommen, aber er kam nicht hoch. Er versuchte es  noch einmal und noch einmal, immer wieder, bis er keine Kraft mehr hatte und zu Boden fiel. Ich muss es schafften sagte er zu sich, und er versuchte es wieder. Tränen  kamen ihm hoch, ich schaffe es sagte er in wilder Verzeiflung zu sich und da, plötzlich, machte er einen Flügelschlag und er hob sich vom Boden ab. Dann folgte noch  einer und noch einer und er flog, nur langsam zuerst, aber er war wild entschlossen nicht aufzugeben. Da bekam er einen kräftigen Stoss von hinten und flog in die Höhe. Es war der grosse Adler der seine verzweifelten Flugversuche beobachtet hatte und ihm helfen  wollte. 

Ich fliege schrie das Riesenküken aufgeregt, seht her, ich kann fliegen, hurra! ist das schön. Angelockt durch das Geschrei, kamen die Hühner  angerannt und erstarrten vor Angst und Schrecken. Da, hoch oben flog ihr Riesenküken mit dem grossen Adler davon. Komm sofort herunter schrien sie aufgeregt. Das ist  viel  zu gefährlich für Dich, wer weiss, was Dir alles zustossen kann. Aber das Riesenküken lachte nur und schrie zurück: Ich denke nicht daran, es ist viel zu schön da oben. Da drehte sich der mächtige Adler zu ihm um und sagte: Bleib immer schön hinter mir und  versuche, mir alles nachzumachen, schaue nicht hinunter, kein einziges Mal hörst Du? Konzentriere Dich nur auf vorne, schau vorwärts und vergiss den Hühnerstall. Sie flogen und flogen und drehten ihre Kreise und das Riesenküken war so glücklich wie noch nie in seinem  Hühnerleben.

Schneller, schneller, rief der Adler. Du musst schneller fliegen. Das Riesenküken keuchte und schnaufte und versuchte, mit dem grossen Adler Schritt zu halten. Bald wurde es müde und verspürte Hunger. Oh wie schön wäre es, wenn ich jetzt bei den andern wäre und zu fressen bekäme und mich ausruhen könnte, dachte es. Doch der grosse Adler kannte kein Erbarmen. Nicht aufgeben, rief er, komm weiter, immer weiter, doch das Riesenküken konnte nicht mehr.  

Was ist, wenn die Hühner doch recht haben und da oben die grosse Gefahr auf mich lauert?  Die Angst wurde so gross, dass er umkehrte und in den Hühnerstall zurückflog! Die Hühner begrüssten ihn freudig als er wieder im Stall war. Er fiel todmüde auf seinen Schlafplatz und schlief sofort ein.

Am nächsten Morgen, als er aufwachte, im dunklen, engen Hühnerstall, umgeben von den gackernden Hühnern, fühlte er sich elend. Er eilte hinaus in den Hühnerhof und hielt nach dem grossen Adler Ausschau! Er konnte ihn nirgends entdecken, so sehr er auch schaute.

Er hatte seine grosse Chance bekommen und verspielt aus Angst und Unsicherheit. Traurig schlief er von nun an jeden Abend ein und wachte traurig wieder auf. Nur ein einziges Mal noch sah er den grossen Adler hoch oben majestätisch seine Kreise ziehen. Er schrie, so laut er konnte; Bitte, grosser Adler nimm mich noch einmal mit. Aber der rief zurück: Zu spät, Du hattest  Deine Chance, es gibt keine zweite mehr.

Lebe wohl !

Eines Tages werde ich wieder hoch oben fliegen, so hoch wie noch nie ein Adler geflogen ist und alle werden mich als den grossen Helden feiern, sagte er sich an diesem Abend.......und er hatte recht.

Das war meine Geschichte:

Monika Tachernegg, Mentalcoach 

taquetta@bluewin.ch

+41(0)44 252 48 36

   

 

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