Gefangen im Königreich Bahrain

Jürgen Ziebell

Meine Wahre Geschichte.

Seit Mai 2012 Gefangen Im Königreich Bahrain, Illegal, 21 Monate Ohne Job, 17 Monate Mit Hartz IV Und Kein Ende In Sicht.

Zur Person
Hamburger, 48 Jahre, geschieden, zwei minderjährige Kinder, tätig als Marketingdirektor, Senior Project Manager oder Geschäftsführer für Deutsche und ausländische Firmen.

Ablauf
Seit 2009 beschäftigt als Senior Project Manager bei einer Bahrainischen Firma mit Deutschen Inhabern. Ab Mai 2011 Managing Director einer neuen Firma der gleichen Gesellschafter. Terminierung des Vertrages als Managing Director am 11.11.2011. An diesem Tag erfolgte der Ausgleich offener Gehaltszahlungen durch den Eigentümer mit Schecks, die am 1.12.2011 und 1.1.2012 fällig waren. Alle Schecks wurden von der Bank wegen falscher Unterschrift abgelehnt.

Im Dezember 2011 Rückkehr nach Hamburg für ein Übergangsprojekt. Am 10.Mai 2012 Rückkehr nach Bahrain zum Besuch von Geschäftspartnern und mit der Absicht, neue Projekte zu entwickeln. Ich wohne "für die paar Tage" bei einem ehemaligen Kollegen. Nach 5 Monaten, im Oktober 2012 habe ich aufgrund von Auslands-Sozialhilfe ein eigenes Zimmer anmieten können..

... und ich als "menschliches Pfand" für diesen Rechtsstreit festgehalten werde.

Am 14.Mai 2012 die Erkenntnis, dass mein letzter Arbeitgeber seit April 2012 ein Gerichtsverfahren anhängig hat, mein Name nicht aus dem Handelsregister entfernt wurde und ich daher als "menschliches Pfand" für diesen Rechtsstreit festgehalten werde. Die Klägerseite hatte eine Ausreise- und Konto-Sperre erwirkt. Eine sehr typische Maßnahme, die für nur 60 Euro in Bahrain erstaunlich einfach zu erwirken ist. Es bedarf keines Gerichtsverfahrens oder einer Anhörung. Es gibt nicht einmal eine schriftliche Mitteilung über diese Maßnahme ! Bis zum heutigen Tage habe ich außer einer Arabischen Klageschrift gegen meinen ehemaligen Arbeitgeber, kein einziges Dokument in meinen Händen. Keine Vorladung, keine Begründung, kein einziges Schriftstück, welches mich persönlich belastet.

Es bedarf keines Gerichtsverfahrens oder einer Anhörung.

Die ersten Wochen vergehen mit der Suche nach einem Anwalt, einem erfolglosen Gespräch mit der Deutschen Botschaft und dem Kontaktieren von Freunden und Bekannten hier im Lande. Es stellt sich heraus, das ein Anwalt ca. 12.000-24.000 Euro Anzahlung verlangt, um den Fall anzunehmen. Absolut unangemessen und de Facto auch illegal, aber kein Anwalt bricht aus dieser Gebühren-Absprache aus, da die offizielle Bahrainische Gebührenordnung ihnen nur 150 bis 200 Euro zusprechen würde.


Beim ersten Besuch in der Deutschen Botschaft ist der Tenor, dass man nicht zuständig ist. Man bietet eine Liste von Anwälten aus dem Internet an und wünscht viel Glück. Obwohl mir nur Tage nach dem Besuch Hilfe gemäß Konsulargesetz rechtlich zugestanden hätte, werde ich praktisch eiskalt vor die Tür gesetzt. Im September sind die Gespräche dann fruchtbarer, nachdem ich eine große Pressekampagne gestartet hatte.

Mit Hilfe von Freunden und mit Hilfe eines Kontaktes in der Gerichtsverwaltung reiche ich nach weiteren 6 Wochen einen Antrag auf Befreiung vom Travelban ein. 3 Wochen später findet eine Gerichtsverhandlung statt in der ich mich selbst vertrete und die nach 2 Minuten und dem Austausch eines Schriftstückes beendet und vertagt wird. Ohne Ergebnis.

Im August vor Ramadan und den Gerichtsferien reiche ich einen Antrag auf einen Pflichtverteidiger ein. Dieser soll mir binnen einer Woche zur Verfügung stehen. Es dauert jedoch bis zum 18.9.2012 bis sich zum ersten Mal ein Anwalt bei mir meldet. Zuvor hatte eine zugeteilte Anwältin den Fall abgelehnt, da sie zu beschäftigt ist, sprich, sie hat keine Lust auf einen sogenannten "free case", einen Fall, bei dem man kein Geld verdient.

Von zuvor 35.000 Briten sind derzeit noch unter 5.000 im Land. Von rund 1000 Deutschen vermutlich unter 400.

In der Zwischenzeit bestätigt mir die Immigration, dass ich eine Arbeitserlaubnis bekommen würde, wenn ein Arbeitgeber die entsprechenden Anträge einreichen würde. Seit dem versende ich täglich Lebensläufe. Pro Woche werden derzeit 3-5 neue Jobs inseriert, die in ganz weitem Sinne zu meinem Profil passen und nicht für Indische Hilfskräfte gedacht sind. Ich mache Kontakt mit Deutschen und Englischen Firmen. Dort berichtet man mir über den dramatischen Abbau von Mitarbeitern aufgrund der Unruhen. Von zuvor 35.000 Briten sind derzeit noch unter 5.000 im Land. Von rund 1000 Deutschen vermutlich unter 400.

Ein weiterer Besuch bei der Deutschen Botschaft ergibt die Unterstützung beim Beantragen einer Grundversorgung. Die Botschaft weigert sich jedoch beharrlich, sich für mein Menschenrecht der Reisefreiheit einzusetzten. Zur Erinnerung: Es liegt keine Anklage gegen mich vor. Es gibt kein Urteil, ich bin noch nichteinmal vernommen worden. In dem Verfahren werde ich nicht repräsentiert, da ich bei der Firma ja nichtmehr angestellt bin. Ganz anders verhalten sich  Botschaften von Indien und den Philippinen, die hier einen sehr viel stärkeren Auftritt haben und sich nicht scheuen, bei den hiesigen Behörden Druck zu machen.

Die Deutsche Botschaft weigert sich jedoch beharrlich, sich für mein Menschenrecht der Reisefreiheit einzusetzten.


Am 18.9.2012 meldet sich erstmals mein Pflichtverteidiger in Sachen Travelban und vereinbart einen Termin mit mir. Die nächsten Anhörungen sind am 3.10 (Hauptverfahren ohne Anwesenheit) und 20.10 (Mein Beschwerde-Verfahren mit Anwesenheit des Pflichtverteidigers), wenn sie denn stattfinden. Wenn man hier nicht bei Gericht erscheint, dann wird der Termin vertagt. So können Verfahren problemlos und ganz legal über viele Jahre verzögert werden. Dieses Instrument wird je nach Interessenlage gern und häufig genutzt.
Bis September 2013 tut sich in der Sache nichts. Stand September 2013 ist, dass ggf. in 2014 mit einer Entscheidung zu rechnen ist. Der Pflichtverteidiger verzögert jegliche Meetings auch die, die unter Beteiligung der Deutschen Botschaft stattfinden sollen.

Anfangs in 2012 setzten sich in einem Strohfeuer zahlreiche Politiker für mich ein. Es wird Grundversorgung per Eilantrag in Hamburg beantragt. Politiker geben Interviews und versprechen Vollmundig Rechtliche Unterstützung. Bis September 2013 wurden diese Versprechen nie eingelöst.

Anfangs in 2012 setzten sich in einem Strohfeuer zahlreiche Politiker für mich ein. 
In 2013 melden sich mehr und mehr Betroffene, die mir berichten, wie sie von den Deutschen Botschaften weltweit und dem Auswärtigen Amt in Berlin im Stich gelassen wurden. Manche wurden monatelang nicht im Gefängnis besucht, obwohl Protokolle in den Akten des AA dieses behaupten. Bei anderen wurden Dokumente aus der Akte des Auswärtigen Amtes entwendet. Zahlreiche berichten von Klagen gegen das Auswärtige Amt und dass sie im Nachhinein Recht bekommen haben.

Der Kampf geht in 2013 weiter. Seit Juli unter Medikamenten gegen Depressionen, Besuchen bei Psychartern und schwindenden Kräften und immer noch hoffnungslos.

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